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Interview mit Fabrice Morel

Fabrice Morel von der Strategy Alliance GmbH spricht mit Euromoney darüber, wie Digitalisierung und Fintech den Export und die Exportfinanzierung in der Zukunft verändern werden.


 


Über Digitalisierung spricht man üblicherweise mehr in der Handelsfinanzierung, weniger in der Exportfinanzierung. Was ist Ihre Sicht dazu?

Die Digitalisierung ist in den letzten 10 bis 15 Jahren in der Handelsfinanzierung stark vorangeschritten. Wir sprechen hier vom Management großer Kreditportfolios, automatischen Scoring- und Ratinglösungen, automatisierter Kommunikation und der Durchführung von Standardtransaktionen. In diesem Jahr wurden die ersten Transaktionen in der Handelsfinanzierung mit der Blockchain-Technologie bestätigt.

Die Exportfinanzierung ist aus anderem Holz geschnitzt, da die Transaktionen größer, seltener und weniger standardisiert sind und individuell geprüft und angepasst werden. Das heißt jedoch nicht, dass die Digitalisierung in der Exportfinanzierung nicht vorhanden wäre.


Welches Potenzial gibt es für die Digitalisierung in der Exportfinanzierung?

Das Potenzial ist in mehreren Bereichen erheblich. Servicelösungen aus der Handelsfinanzierung können angepasst werden, um Prozesse reibungsloser zu gestalten und die verschiedenen Parteien bei einer Transaktion zu verbinden. Das geschieht bereits.

Das wahre Potenzial liegt jedoch unserer Meinung nach in der Erfassung und Analyse relevanter Daten und ihrer Nutzung für die Exportfinanzierung. Nehmen Sie das Beispiel des B2C-Bereichs. In diesem Bereich hat Technologie zu einer Revolution der Geschäftsmodelle geführt. Heute vergleichen und kaufen Kunden Waren mit wenigen Klicks und erhalten sie ein paar Stunden später per Lieferung direkt nach Hause. Das ist ein völlig anderes Einkaufserlebnis als vor 15 oder 20 Jahren.


Kann dies auf die Exportfinanzierung übertragen werden?

Natürlich nicht eins zu eins. In der Exportfinanzierung geht es nicht darum, eine App oder Webseite zu haben, mit der Kunden Ihre Produkte kaufen können. Es ist das Verfahren zur Erfassung von Marktinformationen, das revolutioniert werden wird. Big Data und Analyse können eingesetzt werden, um Kundenbedürfnisse zu erkennen und die Nachfrage vorherzusagen. Es gibt eine unglaubliche Menge an öffentliche zugäglichen Daten, die nur darauf wartet, genutzt zu werden.


Wie würde das funktionieren?

Es gibt drei Bereiche, die unsere Kunden in Gesprächen immer wieder ansprechen: Marktforschung, Bewertung der Kundenbonität und der Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen.

Bisher wurden Marktinformationen über Repräsentanzen, Vertragshändler, andere Kontakte vor Ort und spezialisierte Agenturen gesammelt, die Daten an Interessenten verkaufen.

In der Zukunft werden Sie als Exporteur in Echtzeit wissen, wo auf der Welt Ihre Produkte benötigt werden und von wem.

Marktinformationen werden über Systeme zugänglich sein, die das Internet nach allen Daten absuchen, die für Ihr Unternehmen relevant sind, und Ihnen diese zur sofortigen Verfügung bereitstellen. Dazu zählen auch Posts und Konversationen aller Art in sozialen Medien – Tweets, Facebook-Chats, lokale und internationale Zeitungen und Informationsseiten sowie gesprochene Inhalte im Radio und Fernsehen, bei Investorenkonferenzen usw.

Webbasierte Daten werden Business Leads aus Quellen aller Art und in jeder Sprache generieren. Daher werden Sie in der Lage sein, Ihre Vertriebsabteilung schnell mit dem Fall zu betrauen und Geschäftschancen mit einer Fülle an Informationen wahrzunehmen, um Kundenbedürfnisse abzudecken und mehr Geschäfte abzuschließen.

Ähnlich sieht es bei Finanzdaten aus. Jede öffentlich zugängliche Information kann gefunden und genutzt werden. Herkömmliche Finanzdaten wie Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen werden durch neue Arten von Informationen und Ratings, wie zum Beispiel Amazon-Scores oder eBay-Scores ergänzt. Wenn einer Ihrer Kunden gute Ratings hat und für die Produkte, die er verkauft, „gemocht“ wird, wird das Ihnen und Geldgebern einen zusätzlichen Anreiz geben, den Kredit dieser Firma aufzustocken. Genauso werden Sie eher bereit sein, einen Kredit zu bewilligen, wenn Sie positive Informationen über dieses Unternehmen in Tweets und anderen sozialen Medien finden.

Der dritte Bereich ist der Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen, was besonders für den vernachlässigten Bereich der kleinen und mittelgroßen Transaktionen interessant ist. Die Finanztechnologie bietet bereits verschiedene Lösungen: Crowdfunding-Plattformen bieten Einzelpersonen und kleinen Unternehmen Kredite oder Eigenkapital an, Plattformen von Drittanbietern für die Lieferkettenfinanzierung bringen Käufer mit überschüssiger Liquidität mit Lieferanten zusammen, die eine Finanzierung benötigen. Auch die Forderungsfinanzierung wird über Plattformen verwaltet. Tag für Tag erblicken neue Geschäftsmodelle das Licht der Welt, manchmal durch Fintech-Startups, manchmal durch etablierte Player wie Banken und immer öfter durch die Zusammenarbeit von etablierten Playern und Startups.

Was heute für nationale Geschäfte funktioniert, wird in der Zukunft auch für internationale Geschäfte und langfristige Finanzierungen möglich sein.


Das sind vielversprechende Aussichten. Wo liegen die Risiken der Digitalisierung für Exporteure?

Das größte Risiko sehen wir in der Sprengung traditioneller Geschäftsmodelle durch Plattformanbieter, die den Kundenkontakt halten. Auf einmal läuft dann Ihr gesamter Vertrieb über einen solchen Anbieter ab. Mit anderen Worten: Sie könnten für den Absatz Ihrer Produkte abhängig von den Amazons und Googles der Welt werden – einfach deswegen, weil diese Unternehmen diejenigen sind, die wissen, wer Ihr Produkt benötigt.

Natürlich werden Plattformen nicht die Hersteller spezialisierter Waren und Betriebsmittel werden. Sie werden jedoch ihre Macht ausüben, indem sie Ihnen den Zugang zum Kunden verkaufen. Sie als Hersteller bezahlen dann dafür mit reduzierten Gewinnspannen und der Abhängigkeit vom Plattformanbieter und seinen Daten. Wenn Sie nicht handeln, könnten Sie auf lange Sicht zu einem bloßen Zulieferer von Amazon oder Google werden.


Wie sehen Sie die Zukunft?

Die Welt verändert sich so schnell wie noch nie. Ein ganz neues Umfeld könnte früher Realität werden, als wir erwarten.

Die gute Nachricht ist, dass Exporteure und Exportfinanzierer die Chance haben, neue Technologien zu ihrem Vorteil zu nutzen, und dass immer noch Zeit ist, um Ihre Geschäftsmodelle an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Warten Sie aber nicht zu lang. Die Technologie bietet vielversprechende neue Möglichkeiten. Nutzen Sie diese zur Förderung und Finanzierung Ihrer Exporte.

This content is provided by Euromoney Seminars for informational purposes only, and it reflects the market and industry conditions and presenter’s opinions and affiliations available at the time of the presentation.

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